Das Basaltmonument auf dem Stolpner Markt
- Einst Denkmal für die Wettiner -
Autor Lutz Göhler Stolpen

Gesucht werden Bilder aus den Jahren vor 1957, wer kann helfen??
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Vorwort
In den Jahren 1981/82 arbeitete in Stolpen eine Interessengemeinschaft Denkmalpflege, die auf der Plattform des Kulturbundes der DDR 1981 gegründet wurde. Ein praktischer Höhepunkt, den der Autor hier etwas näher beschreibt, war ein mehrstündiger Arbeitseinsatz mit hohem Sicherheitsrisiko. Der Anlass zu diesem Aufsatz sind 190 Jahre Basaltmonument auf dem Stolpener Markt.


Bild 1


Bild 2

Hier das letzte Arbeits-Protokoll der IGD:
Über die Arbeit der IG Denkmalpflege
Am 17.04.1982 wurde auf dem Stolpner Markt die Säulengruppe des Basaltmonumentes in achtstündiger Arbeit durch die Mitglieder der Interessengemeinschaft Denkmalpflege Rolf Grohmann, Günther Hirschauer und Lutz Göhler wieder in Ordnung gebracht.
Die schadhafte Stelle befand sich rechts vor den zwei am höchsten stehenden Säulen der Basaltgruppe. Die Steine waren locker und zwei Säulen (ca. 1,50 m lang) waren nur etwas an die Hauptsäulen angelehnt und stellten im Sinn der Mitglieder der IGD eine ernst zu nehmende Gefahr für spielende Kinder dar.
Als erste Arbeit wurden alle lockere Steine und Säulen an den betreffenden Stellen von den Hauptsäulen und das Fundament der Hauptsäulen vorsichtig und nur teilweise freigelegt. Wie in den Bildern 3 - 6 zu sehen ist, steht die mittelste Hauptsäule auf einem Sockel, der aus mehreren übereinander gesetzten Sandsteinen besteht.
Der Sockel ist 1,30 m hoch und verhilft somit der mittleren Säule zu einer Gesamthöhe von 3,80 m. Die Maße der mittleren Säule sind: 2,50 m lang; 0,50 m im Durchmesser; 1,40 m Umfang. Rein rechnerisch dürfte die Säule etwas mehr als 1,5 Tonnen wiegen. Der Sandsteinsockel entspricht in seinen Ausmaßen ganz und gar den Maßen der Hauptsäule.

Durch das Freilegen des Fundamentes wurden weitere Erkenntnisse gewonnen. Die rechte Hauptsäule steht neben dem Sandsteinsockel auf einer ebenen erhöhten Unterlage. Da am 12.05.1982 in der SZ zu lesen war, dass sich die Säulengruppe in Einsturzgefahr befindet, so wollte der Autor mit seinem Bericht die Zeitungsnotiz inhaltlich entkräften.

Beim Freilegen der Auflagen der mittleren Hauptsäule und der rechten Hauptsäule (2,85 m lang) konnte festgestellt werden, dass die großen und auch relativ sehr schweren Säulen mit Basaltkeilen auf den Unterlagen gesichert wurden. Das war für die Beteiligten des Reparatur-Einsatzes Beweis genug, dass die Säulen in ihrer Standfestigkeit seit 164 Jahren nicht an Sicherheit verloren hatten.
Nachdem das Fundament der beiden rechten Säulen von der Erde gesäubert war, sind die vorderen kleinen Säulen und Basaltsäulenstücke nach Größe und Aussehen sortiert und nebeneinander einbetoniert worden.


Bild 3


Bild 4


Bild 5


Bild 6

Bedeutung des Monumentes - ursprünglich und jetzt
Auf dem großen Granitstein, der die gesamte Breite der linken Vorderseite der Säulengruppe des Basaltmonumentes einnimmt, befindet sich eine rechteckige steinerne Tafel, durch welche das Denkmal nun als Basaltmonument präsentiert wird. Die Inschrift der Tafel lautet: „An der Wende Oligozän/Miozän vor ungefähr 30 Millionen Jahren –durchbrach der Stolpener Basalt das Lausitzer Granitmassiv.“
Durch diesen Satz glauben viele Menschen, die ihn lesen, diese Säulengruppe sei vulkanischen Ursprungs und an dieser Stelle durch den Granit gestoßen.
Es handelt sich tatsächlich um die Region, wo sich der Basalt über den Granit geschoben hat.
An Stelle dieser rechteckigen Tafel war ein wappenförmiges Schild angebracht. Deutlich erkennbar sind die Konturen eines Schildes auf dem Granitstein. Siehe Bild 12

Im Jahre 1818, als die Beschaffung von so vielen Säulen noch kein Problem war(auf dem heutigen Platz vor der Westseite der Burg befand sich ein Basaltsteinbruch), errichtete man, zu Ehren des fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Kurfürsten Friedrich August III. (der Gerechte) dieses Basaltmonument. Auf Veranlassung der Stadträte suchte man im Steinbruch die schönsten und größten Säulen aus.
Friedrich August der Gerechte hielt sich zur feierlichen Einweihung in Stolpen auf. Zur Erinnerung an dieses Ereignis, brachte man ein wappenförmiges Schild an die linke Vorderseite der Säulengruppe an. An der am höchsten stehenden Säule hat man ein Bronze-Medaillon mit dem Portrait des Kurfürsten und dem Portrait des deutschen Kaisers befestigt. Es wurde mit einer Eisenmanschette befestigt.
An der rechten Vorderseite der Säulengruppe brachte man 1889 anlässlich des 800jährigen Bestehens der sächsischen Kurfürstendynastie Wettin auch eine Gedenktafel an.
Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts entfernte man die Zeichen der sächsischen Monarchie aus uns nicht bekannten Gründen und deponierte sie in einem Kelleraum der alten Schule. Als die Kellergewölbe mit Hilfe eines Baggers gewaltsam zerstört worden sind, hat man auf deren Grund die neuen Keller mit Beton gegründet. Entweder wurden die Bronzestücke mit einbetoniert, oder sie sind von einem Liebhaber gerettet worden, bei dem sie sich heute noch befinden. Angeblich ist das nur eine Sage in Stolpen.

An Stelle der entfernten Schilder deklarierte man das Denkmal sächsischer Monarchie zum Basaltmonument.

Vermutlich stand rechts zu diesem Zweck ein ähnlicher Granitstein, wie auf der linken Seite. Der fehlende Granitstein erklärt vermutlich auch die lockeren Steine der Säulengruppe an dieser Stelle. Es ist bis heute auch niemandem aufgefallen, dass durch das Entfernen des rechten Tafelsteins das Gesamtbild der Säulengruppe entstellt wurde.


Bild 7


Bild 8


Bild 9


Bild 10


Bild 11


Bild 12

Anmerkung des Verfassers:
Es wäre doch im Sinne der Belebung des Marktplatzes, wenn man sich der Wurzeln dieses Basaltmonumentes besinnt, welches ja ein Denkmal im eigentlichen Sinne ist. Gesucht werden Fotografische Aufnahmen aus der Zeit vor 1957, die den Inhalt der Gedenkplatten deutlich darstellen. Leider wurden in Stolpen noch keine Bilder gefunden.

Quellenangaben:
Dr.Tomas Scholle, Geologe aus Stolpen
Hans-Jürgen Wolf, Historiker und Leiter des Stadtmuseum
Lutz Göhler, Ehemals Leiter der IGD