Die Sanierung des Kirchenschiffes der…
Gotik in der… Stadtkirche Stolpen
Dokumentation in Wort und Bild von Lutz Göhler
- - Textpassagen sind Ausschnitte aus der Original Broschüre - -
Seite 1: Der Bauherr
Das ist die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Stolpener Land. Sie wird vertreten durch den Pfarrer Tilmann Popp (4. von rechts), …
Seite 2: Gerüstbaufirma Hans-Jochen Knauthe
Mitte Februar beenden die Gerüstbauer das große Gerüst mit einer Arbeitsbühne in 13 Meter Höhe, welche die ganze Grundfläche des Gerüstes ausmacht.
Die Decke des Kirchenschiffes befindet sich in gut 15 Meter Höhe. Die Bühne kann auf seiner ganzen Grundfläche ohne Risiko betreten werden. Das Gerüst reicht in seiner Breite über das ganze Schiff von einer Empore zur anderen und ein gutes Stück bis hinter die ersten freistehenden Säulen.
Vor Beginn der Außenarbeiten bauen sie im westlichen Kirchenschiff links und rechts neben der Orgel Gerüste bis in Deckenhöhe für die Sanierung der Ecken im Kirchenschiff in Simshöhe.
Seite 5: Maurer, Betonierer und Helfer  
Reiner Bradel der Maurer und sein Gehilfe Norbert Kuch waren stets zur Stelle, wenn ein Balken mit Ziegeln zu unterfüttern war und um Hohlräume in der Mauer zu flicken, Balkenauflagen zu betonieren und loses Mauerwerk inklusive verrotteter Balken zu räumen oder den Zimmerleuten beim Balkentransport zu helfen.
Dann sind noch die Männer um Wolfgang Hermsdorf, Siegfried Sauer und Norbert Pilz, die eigentlich auf dem Friedhof tätig sind. Sie haben zentnerweise Bauschutt geräumt und waren stets zur Stelle, wenn es um die groben Reinigungsarbeiten ging.
Die Zimmermannsarbeiten

Die Hauptakteure bei der Sanierung der Stolpner Stadtkirche sind in erster Linie Tobias Wehner, der schon in anderen Kirchen Sanierungen ausgeführt hat und Peter Oertel der sich auch für filigrane Arbeiten nicht zu schade ist.
Die Nordseite war im Vergleich zur Südseite erheblich stärker in Mitleidenschaft gezogen worden, da auf dieser Seite die Sonneneinstrahlung sehr viel geringer ist.
Die Zimmerer arbeiteten an beiden Dachhälften etwa 5 Wochen. Am Eindruckvollsten war für mich der Disput mit den Jungs, als es über die Aufschieblinge ging.
Das sind die Dinger, die die Verbindung von Dachsparren und Mauerkrone herstellen und praktisch den Dachausläufer darstellen. Ich sagte dazu Regenwasserbremse. Worüber wir natürlich alle herzlich gelacht haben.
Die Sanierungsarbeiten zum alten Turm gingen fließend hinüber. Hinüber deshalb, weil hier wegen des überstehenden alten Turms von der Grundmauer der Kirche das Dach mit einer Dachkehle verbunden ist.
Seite 7: Meister Schwenke 
Durch die defekte Dachkehle eindringende Nässe drang bis in die untere Region des Kirchenschiffes und hat sich im Holz seinen Weg gesucht.
Die südliche Verkleidung dagegen diente noch als Vorlage und zur Weiterverwendung.
Praktisch eine Restaurierung. Am 01.06.2007 kam die ganze Besatzung der Tischlerei Schwenke, um die Verkleidungen der Holzsäulen am Triumphbogen einzubauen.
Seite 8: Die Stuckateure 
Am 29.03.07 kommt der Stuckateur Uwe Henkel aus Colmnitz bei Freital mit seinem Kollegen in die Stolpner Stadtkirche. Sie bereiten die Wand im östlichen Kirchenschiff mit Matten aus verdrahtetem Schilfrohr für den Gips vor. Sie arbeiten sehr sorgfältig mit elektrischen Klammerheftern und tuckern das Schilfrohr in gleichmäßigen Abständen an das Holz.
Für die Arbeit am Sims werden sechs Schichten Gips jeweils nach dem Antrocknungsprozess aufgetragen.
Die Ziehschablone ist eine Arbeit vom Zimmermann Peter Oertel.
Seite 9: Die Dachdecker
Während die Zimmerer noch die letzten Sparren der Südseite sanieren, reißen die Dachdecker die erste Hälfte des Norddaches am Turm ab. Wenn die Zimmerer am Norddach mit der Sparrensanierung beginnen, reißen die Dachdecker das obere Süddach weiter ab.
Es ist ein wiederkehrender Wechsel der Seiten beim Abriss, angedacht als statischer Ausgleich oder die Herstellung des Gleichgewichtes im Gefüge des Dachstuhles.
Es sollen sieben oder acht Lkw-Ladungen über den Tag verteilt angeliefert worden sein.
Die Charge nennt sich 13440 Berliner Seg Blaubunt Biberschwanz. Die Dachziegelfirma heißt Koramic aus 67304 Eisenberg in der Pfalz.
Die Arbeit verteilt sich auf sechs Dachdecker, einen Dachdeckerpraktikanten, einen Kranführer und den Tecto-Fahrer. Auf der südl. Dachhälfte nehmen drei Dachdecker und nördlich zwei Dachdecker die Ziegelpakete in Empfang und verteilen sie gleich auf dem ganzen Dach, weil es nicht so viele Ablagemöglichkeiten gibt. Auf dem Dachfirst steht ein Mann mit dem Sprechfunk, der den Überblick behalten muss.
Am 21.07.2007 konnte man die erste kleine Dachfläche von der Burg aus bewundern. Es war gerade Burghoffest.
Bis Ende Juli waren fast 99 Prozent der Dachhälften eingedeckt. Am 31.07.2007 waren die Dachdeckerarbeiter noch nicht abgeschlossen.
Seite 10: Der Maler 
Es ist in unserem Fall der Kunst- und Dekorationsmaler Mathias Franke von der Firma Peter Lippert aus Pratzschwitz bei Pirna.
Er hat den Auftrag, die teilweise durch die Holzsanierung zerstörte Innenausmalung wieder herzustellen und …
… hat Peter Lippert (Jahrgang 53) in den Jahren 1981 bis 1983 mit dem Stolpner Malermeister Hellmut Fuchs die Innenausmalung der Stadtkirche restauriert. Fuchs hat sein Portrait unterhalb…
Seite 10: Die Dachklempner
Das sind Falk Schlieter (links im Bild), Spenglermeister aus Arnsdorf und Uwe Zehl, Klempnermeister aus Radebeul als Subunternehmer.
Als ich Falk Schlieter das erste Mal ablichtete, stand er am 24.05. um acht Uhr auf dem östlichsten Dachfirst halb sitzend mit dem Blick in Richtung Osten und umklammerte mit beiden Händen das Turmkreuz über dem Kopf. Dicht daneben, ihm gegenüber demontierte oder schnitt Stephan Seifert, ein bereits bekannter Dachdecker, das Turmkreuz über dem Dach ab. Aus Sicherheitsgründen waren…
Am 24.07. sah ich Uwe Zehl bei den letzten Handgriffen an der nördlichen Dachrinne.
Danach arbeiteten beide an der nicht einfachen Strecke Sakristei, Chor und alter Turm.
Noch am gleichen Tag arbeitete Schlieter an der Beblechung der einzigen Esse der Kirche.
Selbst am Samstag darauf sah ich ihn bei strömenden Regen auf dem Ostdach, um wahrscheinlich die Montage des restaurierten Ostkreuzes vorzubereiten.
Seite 11: Die Steinmetze 
Es sind die Altgesellen Maik Gräfe und Gerd Taubenheim von der Werkstatt des Steinbildhauermeisters Hartmut Witschel aus Großenhain, die am 30.05., an der Südseite des äußeren Kirchenschiffes die Arbeit in Angriff nahmen.
Maik bekommt am 26.06. eine andere Aufgabe. Ersatzmann ist Klaus Thieme.
Die Steine über dem Chor waren gefrittet in ihrer Struktur derart porös geworden, dass man sie zwischen den Fingerspitzen zerreiben konnte. Gefrittet heißt, dass die Steine einem starken Feuer stundenlang ausgesetzt waren. Das letzte große Feuer brach am 4.März 1723 in einem angrenzenden…
Die Glaser
Am 1.06. begannen drei Mitarbeiter der Werkstatt Körner zwei Fenster an der Nordseite des Kirchenschiffes auszubauen. Die Höhe eines Fensters beträgt knapp acht Meter. Es besteht aus einzelnen Segmenten, die in Einzelstücken demontiert etwas über 80 Zentimeter im Quadrat messen.
Am 11.07. demontierten sie das dritte Fenster am Schiff, sowie zwei…
Seite 12: Die Putzabschläger
Es sind zwei profilierte Baufachleute. Es ist der Bauservice Alfred Pinno aus Dohna, der im Auftrag der Haubner GmbH (siehe Die Putzer) an den Außenwänden der Kirche den gekennzeichneten Putz abschlägt. Sie begannen mit ihrer Tätigkeit am…
Seite 12: Die Putzer
Am 27.06. begann ein Mitarbeiter, mit einer Pumpe Mörtel auf die Wände zu spritzen , die beiden Anderen verrieben es gleich mit Kelle und Kartusche und rauten den Putz mit einem groben Besen kurz vor dem Abhärten auf. Sie arbeiteten sich kontinuierlich von der Westwand rechts neben dem Turm über die Südwand …
Die Gotik

Die Grundmauern mit den original Maßwerkfenstern und den Bögen sowie das Sternengewölbe stellen eine ursprüngliche architektonische Einheit der Gotik dar.
Dieses gilt ebenso für die zugemauerten ehemaligen spitz zulaufenden gotischen Bögen südlich und östlich, die Bauteile von Langfenstern gewesen sein könnten.
Die drei langen Fenster im Osten haben noch das original Maßwerk des 15.Jh. aus Sandstein. Maßwerk ist die Unterteilung der einzelnen Glasteile. Letztere sind aber Ende des 19.Jh. vom Dresdner Hofkonditor Adam gestiftet worden.
Wer sich den Triumphbogen an der obersten Stelle genauer betrachtet, wird im Putz entdecken, dass der spitze gotische Bogenschluß …
3. Ein paar subjektive Blicke auf die Gotik
Aus der Bauweise des Sterngewölbes vermute ich, dass diese Größe als 7-Zackiger Stern geplant war, weil diese Art Gewölbe eine bessere Tragfähigkeit in dieser Breite von 12 Metern erreicht.
Immerhin hat es drei Brände heil…
4. Weitere baugeschichtliche Angaben
Die Mauerkrone des Chores und das Hauptschiff mit dem Triumphbogen befinden sich in 13 Meter Höhe. Wenn man so will, steht der Triumphbogen praktisch als Schlussstein für die 4. Grundmauer des Kirchenbaues. Das dürfte ein weiterer Beweis für den Neubau in der …
5. Zusammenfassung
... und am ebenfalls unverputzten Mauerwerk des Chores über dem Gewölbe erkennbar.
Hieraus kann geschlussfolgert werden, dass das Sternengewölbe beim Bau der ersten Kirche entstanden sein muss. Diese Außenmauer und die Gewölberippen des Sterngewölbes sind gemeinsam…
6. Schlussbemerkungen
Der vorliegende Text basiert auf eigenen Forschungen und dokumentarischen Arbeiten im Frühjahr 2007. Daneben flossen Erkenntnisse mit ein, die ich aus bestehenden Fakten von Historie (z.B. Recherchen zur Baugeschichte) und der Baupraxis (z.B. Recherchen zu Bautechniken, Auskünfte von Handwerkern) abgeleitet habe.
Lutz Göhler
|